Windows Vs. OSX - Praktiken der System Releases

Dienstag, 15. Mai 2007
Angeregt durch diesen Kommentar möchte ich ein paar Worte zu den unterschiedlichen Ansätzen der System-Veröffentlichung zwischen Microsoft Windows und Apple's OSX verlieren. Dieser Artikel spiegelt ausschließlich meine Meinung wieder. Es gibt als Grundlage nur mein lückenhaftes Wissen. Polemik und Übertreibung, sowie ein hoffnungslos von Vorurteilen strotzender Artikel sind die Folge! Der vermeindliche Leser sei also vorher gewarnt.

Fenstersicht

Vor Jahren war ich mit meinen Eltern in Kanada. Das muss so ungefähr neun Jahre her sein. Damals habe ich dort einige englische Computerzeitschriften erworben. In einer Byte-Ausgabe war auch eine Tabelle von zukünftigen Windows Versionen. Leider habe ich die Zeitung irgendwann mal aussortiert und im Online-Archiv den passenden Artikel nicht gefunden. Ich meine jedoch mich erinnern zu können, dass damals bereits Windows XP und dessen Nachfolger genannt wurde. Ich meine sogar, dass Vista dort gestanden hat.

Was hat diese Anekdote mit Windows-Versionen zu tun? Es zeigt, wie Microsoft arbeitet. Es wird bereits knapp zehn Jahre im voraus geplant. Sicherlich sind nicht alle Funktionen und die fertige GUI bereits zu der Zeit fertig, aber man denkt ziemlich weit in die Zukunft vor. Ich möchte diese Vorgehensweise als klassischen Ansatz bezeichnen - in großen Unternehmen mit langer Tradition wird häufig nach diesem Muster gearbeitet.

So ist das dann auch mit dem veröffentlichen von Versionen. Es wird alle fünf bis sieben Jahre eine neue Version auf den Markt gebracht. In der Zwischenzeit sind die bisher verfügbaren Versionen total veraltet und können mit aktuellen Systemen, die öfter neue Versionen bringen nicht mithalten. Dieses zeigt sich sehr deutlich zwischen Windows XP und dem aktuelle OSX Tiger. Oder auch zwischen Windows und den aktuellen Linux Desktops. Windows XP wirk in jederlei Hinsicht hoffnungslos veraltet.

Die sporadisch veröffentlichen Service Packs sind nichts anderes als Patch-Sammlungen mit nur minimalen Ergänzungen. Meistens dazu vorgesehen, den Benutzer stärker zu kontrollieren oder weitere Systemrestriktionen einzubauen. Echte Systemerweiterungen bringen sie aber nicht.

Kommt dann mal irgendwann eine neue Version auf den Markt, so wirkt das, wie ein komplett neues System. Den größten Teil der bisherigen GUI, Design-Konzepte und Layouts, sowie APIs werden ersetzt und erweitert. Viele Programme laufen nicht sauber, oder sind nur mit Einschränkungen nutzbar. Ein DAU, der vom System keine Ahnung hat, und nicht weiß, wie er was verstellen kann, ist an dieser Stelle deutlich überfordert. Dieses konnte insbesondere beim Umstieg zwischen Windows 3.11 und Windows 95 beobachtet werden. Aber zeigte sich auch deutlich beim Übergang zu Windows XP.

Apfelernte

Den Weg, den Apple in den letzten Jahren gegangen ist, möchte ich an dieser Stelle einfach moderner nennen. Man findet in aktueller Fachliteratur häufig den Hinweis auf häufiges und schnelles Veröffentlichen und die besonderen Vorteile. Das aktive Gestalten der Produkte mit den Endkunden. In etwa diesen Weg geht Apple mit OSX. Es werden im allgemeinen alle anderthalb, bis zwei Jahre neue Versionen des Systems veröffentlicht. Das sind zwei bis vier System-Veröffentlichungen in einem Windows-Zyklus.

Die Versions-Sprünge sind dabei kleiner. Mit jedem Release gibt es durchaus neue Funktionen. Auch werden veraltete Techniken nicht mehr genutzt. Der Übergang ist jedoch fließender. Durch die häufigere Veröffentlichung von neuen Versionen können interessante Funktionen schneller Implementiert werden. Das Feedback kommt schneller, und offensichtliche Probleme schneller behoben werden.

Der typische System-Nutzer hat beim Umstieg auf eine neue Version weniger Schwierigkeiten. Die Systeme verhalten sich im Vergleich konsistenter. Neue Funktionen können schneller begutachtet werden. Entweder sie werden dann genutzt, oder eben nicht. Layout-Änderungen finden häufiger den Weg zum Kunden und wirken daher weniger erschlagend.

Das bedeutet nicht, dass nicht genauso zehn Jahre in die Zukunft geplant wird. Die genauen Pläne sind jedoch bei Apple sehr viel verschlossener. Die jeweils nächste Version wird dabei aber sehr viel offener entwickelt. Es werden sehr viel mehr Beta-Versionen veröffentlicht, als Microsoft das tut.

Natürlich gibt es auch unter Apple Service Packs. Nur heißen die hier anders. Wozu auch Buchstaben bemühen, wenn Zahlen das gleiche schneller ausdrücken? Für jedes System gibt es in unregelmäßigen Abständen neue Versionen, die an der Erhöhung der dritten Versionsnummer erkennbar sind. In Windows-Jargon eben Service Pack genannt - was auch nur elitäre Abgrenzung ist.

Zum guten Schluß

Beide Entwicklungs-Ansätze haben ihre Vorteile. Für den Endkunden wirkt jedoch der Apple-Weg effektiver. Der Kunde sieht schneller, wohin sich das System entwickelt. Er kann schneller Einfluss auf die Entwicklung nehmen und Fehlentwicklungen frühzeitig verhindern. Er wird nicht durch ein komplett neues System erschlagen und der Umstieg fällt leichter. Das kann man insbesondere auch beobachten, wenn Apple ein neues Major-Release raus bringt. Der Umstiegt unter Apple-Nutzern ist sehr viel zügiger zu beobachten, als bei Windows.

Hätte Microsoft sehr viel kleinere Schritte gemacht, so hätte denen mit Sicherheit jemand gesagt, dass diese übermäßigen Hinweis-Dialoge nur noch nerven. Von diversen DAU's weiß ich, dass diese nur noch die Dialoge weg klicken, weil sie keine Ahnung haben, was Vista von ihnen will. Das dumme ist ja nun, Vista blockiert den Rechner so lange, bis man diese Dialoge bestätigt. Der DAU kann also nicht mal bei Google nachschauen, was die Meldung genau heißt! So viel dann zum Thema Sicherheit...

So, und jetzt können sich meine Leser das Maul zerreißen, und mich versuchen vom Gegenteil zu überzeugen. Das wird jedenfalls ein langer Weg!

Alles morsch

Dienstag, 15. Mai 2007
Wenn es kommt, dann immer richtig! Jetzt ist nicht nur das Fenster kaputt, sondern auch bei der Treppe der Dachluke ist eine Schraube abgebrochen. Zum Glück gibt es eine zweite Luke. Nur hier ist die Treppe ziemlich unangenehm...